Auf Schwächen bauen

Henry ist ein unsicherer und ruheloser Mensch. Als Kind bekommt er von seinem Vater nicht die Liebe, die er braucht. Von seinen Freunden erwartet er mehr Aufmerksamkeit, als sie je geben könnten. Wegen seine sexuellen Orientierung schämt er sich und hält sie den größten Teil seines Lebens geheim. Immer wieder wechselt er Ort und Beruf – immer auf der Suche nach dem richtigen Platz. Zeitweise leidet er unter Depressionen.

Doch als Henry 1996 stirbt versammeln sich mehr als 1200 Menschen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Viele, die ihn persönlich kennen betonen, wie sehr sie durch seine hingegebene Freundschaft berührt wurden. Durch seine Bücher und Vorträge ermutigte er Millionen, Gottes Liebe anzunehmen und weiterzugeben.

Henry Nouwen, katholischer Priester und Dozent in Yale und Harvard, war einer der berühmtesten christlichen Autoren des 20. Jahrhunderts. Seine zentrale Botschaft: jeder Mensch ist von Gott bedingungslos geliebt — eine Identität um die er Zeit seines Lebens für sich selbst ringen musste.

Wer über Henry Nouwen’s Leben liest staunt. Jeder vernünftige Ratgeber (etwa P. Drucker oder J. Collins) betont, wie wichtig es sei, sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Henry trat den Gegenbeweis an, als er nicht wie viele Andere trotz, sondern wegen seiner Schwächen Menschen in herausragender Weise positiv beeinflusste.

Er selbst beschreibt dieses Prinzip in einem seiner Bücher. In der bildhaften Sprache des Abendmals charakterisiert er dort einen Menschen der Gott nachfolgt als jemanden, der genommen (von Gott liebevoll auserwählt), gesegnet (Gott meint es gut mit ihm) gebrochen (trotzdem Leiden ausgesetzt) und gegeben (um andere zu segnen) ist. Paradoxerweise ist die „Gebrochenheit“ in diesem Sinne also nicht Hindernis, sondern gerade Wegstrecke um Gott näher zu kommen und Anderen auf einzigartige Weise zu helfen.

Diesem tiefen Vertrauen, dass wir bei Gott geliebt und sicher sind, gab Henry auch bei seiner letzten Andacht, bereits schwer krank, Ausdruck:

Wer unter dem Schirm des Höchsten weilt
und unter Seinem Schatten bleibt, der spricht:
Meine Zuversicht und meine Burg.
Ich hoffe auf Dich.
Denn ER errettet dich vom Strick des Jägers
und von verderbender Pest.
ER wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter Seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht
und vor den Pfeilen,die des Tages fliegen,
vor der Pest die durch das Dunkel schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

-aus Psalm 91

Wer Henry Nouwen’s Leben betrachtet ahnt, dass diese Hoffnung Realität ist. Nicht weil er es sagt, sondern weil er es sagt.

Diesen Beitrag widme ich meinem Freund Thomas (der freilich keine von Henry’s Schwächen teilt).

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Gesellschaft Gestalten

Eines der ersten sommerlichen Wochenenden habe ich dieses Jahr in der Universität Hohenheim in herzögliche Pracht verbracht. Dort fand das Auswahlseminar für das Programm „Leaders of Influence“ (LOI) von xpand statt.     

LOI ist eine eine internationale gesellschaftsprägende Bewegung, das seine Teilnehmer 20 Jahre begleitet. Dazu gehören regionale Coaching-Gruppen, Mentoren und jährliche Think Tank Treffen. Ziel von LOI ist es junge Menschen dabei zu begleiten, „Ihre“ Gesellschaftsbereichen werteorientiert auf Basis des christlichen Glaubens positiv zu gestalten. Die Arbeit ist überkonfessionell und die Seminarteilnehmer kamen aus allen großen Kirchen in Deutschland. Überrascht hat mich dabei die Offenheit, mit der die Teilnehmer über Ihre Geschichte und aktuelle Lebenssituation berichtet haben. 

Ein Bibelvers aus Markus 10:42-43 hat mich besonders angesprochen:
„Wer von Euch etwas Besonderes sein will, soll den anderen dienen, und wer von Euch an der Spitze stehen will, soll sich allen unterordnen.“

 

Das beschreibt sehr treffend die Kunst ohne Macht zu führen und Führung als Dienst an den Mitmenschen zu verstehen.
Was unsere Eignung anging wurden wir gründlich durchgecheckt, z.B. 4 Stunden lang mit dem SOI Test, dem DISG Test und einem von xpand entwickelten Fähigkeitstests.
In Seminaren gab es viel Stoff zum Nachdenken. Hier ein paar Notizen zu dem Thema „Vision“:
    

  • Wer sich nicht verändert, verliert auch das, was er hat.
  • Vision entsteht durch: Begabung, Umstände, Werte, Roter Faden, Wünsche, Reden Gottes.
  • Dauerhaft Motivation kommt von innen.
  • Vision = Wozu bin ich berufen was wann für wen zu tun.
  • „Alles, was sich im Großen geschieht, vollzieht sich zuerst in der Phantasie“ (Astrid Lindgren)
  • Vision ist wie eine Schwangerschaft. Göttliches und Menschliches wirkt zusammen.
  • Ohne Ziel: Vergeudung, Ausbrennen , Dahintreiben.
  • Eine Vision bündelt unsere Kräfte wie ein Laser das Licht.
  • Wir müssen unseren Platz und unsere Aufgabe finden.
  • Produktivität statt nur Aktivität.
  • Natürliche Gaben geben nicht ausreichend Durchhaltevermögen.
  • Jede Berufung beinhaltet Dinge, die wir nicht alleine tun können.
  • Vision operationalisieren: Vision > Bereiche (Beruf, Gemeinde, Familie, Freizeit) > Ziel 1,… > Schritt 1, …
  • Gute Ziele sind meßbar (Zeit, Ergebnis, Kosten), anspruchsvoll, realistisch und motivierend formuliert. Weniger ist mehr.
  • Die Geschichte vom Wasserkrug: Wir alle haben Risse und dennoch gebraucht uns Gott
Auch eine schöne Definition des menschlichen Potential gab es. Es ist der Schnitt von
  • Fähigkeit (was?, SOI),
  • Persönlichkeit (wie?, DISG),
  • Werte (warum?) und
  • Ideales Umfeld (wo?).

In Stillaufgaben (Uni und Schule lassen grüßen!) ging es darum was unser Arbeitsumfeld prägt und welche Möglichkeiten der positiven Einflussnahme es gibt.

Die abgebildete MindMap zeigt meine Sicht auf Bedingungen der Gesellschaftsbereich Wirtschaft geprägt sind.

 

Etwas bewegen kann in diesem Dschungel nur jemand der Teil des Systems ist, aber nach anderen Regeln spielt, etwa:

  1. Auftrag und Beitrag statt nur Sorge um den eigenen Erfolg: „Was kann ich beitragen?“ statt „Was kann ich bekommen?“
  2. Übefluss-Mentalität: Es ist genug für alle da. Es gibt meistens eine Lösung, von der alle profitieren. Im Alltagssituationen ist Wettbewerb die Ausnahme und nicht die Regel. WIn-Win.
  3. Familie vor Firma: Im „Kleinen“ treu sein. Verantwortung übernehmen. Sich nicht nur dort engagieren, wo es die größte Anerkennung gibt. Beziehung statt nur Leistung. Kraft und Energie regenerieren.
  4. Dienen: Wie kann ich ander weiterbringen? Finden, Fördern, Freisetzen. Jeden „nach seiner Art“ (Benedikt) führen.
  5. Integrität: Sagen, was man denkt. Tun, was man sagt. Vertrauen schenken und schaffen.

Für konkrete Schritte ist es hilfreich, sich einige Vorbilder auszugucken. Hier sind einige Kandidaten die mir imponieren:

Georgius (Arzt und Bekannter)

  • Hingabe an Familie und Beruf
  • Klare Prioritäten
  • Ermutigen, verbinden, vermitteln
  • Dran bleiben und sich investieren

Jim Knopf (Führungskraft)

  • Integrität, Transparenz und Verlässlichkeit
  • Fokus auf Ergebnissen und guten Argumenten
  • Respekt und Wertschätzung

Peter Printer (Berater und Autor)

  • Weitsicht
  • Blick für Wesentliches
  • Treffende Analyse
  • Menschen fördern
  • Beitrag und Auftrag

In den nächsten Monaten werde ich weiter an einigen Themen am Ball bleiben:

  • Ein persönliche Vision entwickeln.
  • Das eigene Profil schärfen: der DISG  Test hat mich als „Vermittler“ klassifiziert, also jemand der zugleich dominant, initiativ und gewissenhaft ist. Wo und wie kann ich diese Stärken einbringen?
  • Um mein Führungspotential zu entfalten möchte ich mich mutiger auf Führungsaufgaben einlassen und dabei bewusst Entscheidungsfreude und Optimismus einsetzen.

Natürlich Übernatürlich

Marlin Watling’s Buch „Natürlich Übernatürlich“ über die Geschichte und Perspektive der Vineyard Bewegung, einer evangelischen Freikirche die vor allem bei jungen Leuten weltweit Zulauf findet, ist fundiert, mutig und zukunftsweisend. Dabei besitzt diese bemerkenswerte Buch selbst viele der Eigenschaften, die es der Vineyard zuschreibt:

Fundiert: Der Author ist Psyhologe und selbst Gemeindegründer. Beides kommt dem Werk zu Gute. Mühelos wechseln sich in Lebensgeschichten und allgemeinen Konzepten individuelle Nahaufnahmen und Analyse der gesamten Bewegung ab. 

Offen: das Buch erwartet keine speziellen Vorkenntnisse oder Weltanschauungen. 

Relevant: Warum ist Kirche für moderne Menschen von Interesse? Dieser Frage geht der Autor, von der Jesus People Bewegung in den USA bis zu heutigen Vineyard Gemeinden in Europa immer wieder selbstkritisch auf den Grund. Das ist erfrischend, weil es den Leser mit seinen Zweifeln ernst nimmt statt in religiöser Überheblichkeit zu bevormunden. 

Authentisch: Ein Merkmal der Postmodernen, so liest man in dem Buch, ist das Interesse an „Echtheit“ anstelle von „Perfektion“. Dieses Buch ist gespickt mit Kommentaren von Kennern der Bewegung und Geschichten, die Stärken und Schwächen neben einander stehen lassen. 

Visionär: Die erste Hälfte des Buches zeichnet die Geschichte der Vineyard bis heute anschaulich und schlüssige nach und ist rundherum gelungen. Doch das wirkliche Highlight ist der zweite Teil. Durch Interviews auf der ganzen Welt und eine prägnante Analyse der postmodernen Gesellschaft entsteht das eindrückliche einer Kirche, die sich zugleich selbst treu ist und für „moderne“ Menschen attraktiv und relevant ist. 

Dieses Buch ist ein Volltreffer: leicht lesbar, konkret, klug und weitsichtig. Empfehlenswert für jeden, der neugierig ist, wie zeitgemäße Kirche — in einer ihrer vielen Facetten — aussehen kann.

Gnade

Was ist besonders an dem christlichen Glauben? Es ist die Gnade und genau über dieses Thema habe ich vor kurzem in unserer Gemeinde gepredigt.

Veränderung

Am Samstag in der Vineyard Heidelberg über Veränderung gepredigt.

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