Kein Spiel ohne Einsatz

Die postmodernen Seele ist zu Großem gar nicht nicht fähig. Denn zu jedem Ziel gibt es eine Gefahr, zu jedem Gedanken eine Gegenthese, zu jeder Wahrheit eine andere Perspektive – in dieser komplexen, undurchschaubaren Welt. Doch wofür sollte sich der Kampf lohnen, wenn es doch immer eine andere Betrachtungsweise gibt? Was rechtfertigte da wirkliches Opfer? So ist er also zu wirklicher Hingabe gar nicht fähig und bleibt Beobachter oder maximal Mitspieler auf Zeit. Er hat Jobs statt Missionen. Lebensabschnitte statt Lebensziele. Bleibt selbst in der Menge allein, weil seine ganz individuelle Sicht auf die Welt niemand teilt und jeder sich selbst der Nächste ist. Und weil er in diesem Sinne nichts wagt, wird er auch niemals gewinnen.


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6 Kommentare

  1. Thomas L. said,

    29. September 2009 um 21:11

    Klingt einleuchtend! Aber was schlägst Du vor? Was ist die Lösung?

  2. Dirk said,

    30. September 2009 um 14:40

    Hallo Thomas,

    muss ich erst mal drüber nachdenken. Wie würdest Du denn die Frage / das Problem formulieren?

    Gruß, Dirk

  3. Niko G said,

    30. September 2009 um 22:12

    Hallo Dirk,

    ein toller Text und ein guter Gedanke. Auch die Beobachtung an sich finde ich sehr aufmerksam. Nur eine ganz wesentlich Frage stellt sich mir: ist der Zustand ein Kontinuum, gleich einer stetigen aber doch unidirektionalen Bewegung? Oder beschreibt die Postmoderne nur einen Abschnitt auf einer dynamischen Entwicklungskurve die gern und immer wieder die Richtung ändert?

    Ich glaube festgestellt zu haben, dass sich die Postmoderne überlebt hat. Der Ruf nach Vision und whter Tiefe ist wieder vermehrt zu hören. Auch der Wunsch nach echter Bindung – auch unter den fordernden Beingungen – erlebt eine neue Bedeutung. Allein es braucht Zeit und viel Geduld, all das verlorene und weg geworfene Wissen, gleich einem unheimlichen Erfahrungsschatz, wieder aufzubauen.

    Kannst du das auch so sehen?

    Grüße Niko

  4. Thomas L. said,

    1. Oktober 2009 um 13:26

    Hallo Dirk,
    ich hatte einfach nach dem Lesen Deines Abschnittes das Gefühl, dass Du recht hast. Und ich hatte Mitleid mit dem postmodernen Menschen. Er ist ein armes Schwein! (so empfinde ich nun mal). Das Problem ist, dass dem Posti die Wahrheit und das Streben nach Wahrheit abgegangen ist (wie politisch unkorrekt, dieses Wort überhaupt zu benutzen).
    Das eigenartige ist, dass ich die Wahrheit kenne und mich doch nicht traue, sie zu schreiben. Ich würde vielleicht schreiben: Für mich ist dies und dies die Wahrheit. Es schwingt so eine allgemeine Übereinkunft mit, dass es nur individuelle Wahrheiten gibt, dass alles letztlich doch relativ ist und für jeden anders. Ratzinger bzw. der Papst hat vor einer Diktatur des Relativismus gewarnt. Ich befürchte, wir sind eigentlich schon mittendrin.

    Zu Deiner Frage „Wie würdest Du das Problem formulieren“ zurück: Die Frage ist, wie kommen wir wieder dahin, von Wahrheit zu reden und Wahrheit zu vertreten? Und wie können wir uns dabei gleichzeitig von denen abgrenzen, die intolerant sind (d.h. die keine anderen Meinungen dulden) bzw. die anderen Menschen ihre Meinung aufzwingen wollen (teilweise sogar mit Gewalt).

    Verstehst Du, was ich meine?

    Liebe Grüße
    Thomas

  5. Dirk said,

    2. Oktober 2009 um 19:57

    Hallo Niko,

    gute Frage … und ehrlich gesagt für mich zu schwer. Lineares vs. zyklisches Geschichtsmodell ist ja ein offener Streit zwischen Historikern, so dass ich mir auch für dieses spezielle Phänomen keine Prognose zutraue. Dass Menschen wieder mehr wollen als nur den Markt der Möglichkeiten, erlebe ich auch, nur kann man im Kopf das Rad hier nicht so einfach zurückdrehen. Und da stimme ich Dir zu: etwas konkret Erfahrbares wie verbindliche und erfüllende Beziehung kann da helfen. Nur muss man sich in diesem Fall für eine leidenschaftliche und engagierte Lebenspraxis erst Schritt für Schritt wieder einlaufen, wie der Fußballer der nach einer halben Saison Zuschauerplatz plötzlich zum ersten Mal ins Spiel kommt.

    Gruß, Dirk

  6. Dirk said,

    2. Oktober 2009 um 20:39

    Hallo Thomas,

    ojeh, jetzt bringst Du mich ja ins Grübeln … Den ersten Gedanken den ich habe ist, dass man der Situation ja auch Positives abgewinnen kann. Relativismus lähmt nur, während die Utopien und Ideologien des letzten Jahrhunderts Millionen das Leben gekostet haben. Sie sensibilisiert uns auch, wie oft wir selbst falsch liegen oder nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit wahrnehmen. Dass es manchmal Dinge gibt in denen es tatsächlich kein Falsch oder Richtig gibt, sondern nur ein So oder Anders. Zudem ist die Welt ja tatsächlich komplex, so dass die Vereinfachung vieler Weltanschauungen nur Scheinsicherheit geben. Hat also durchaus seine Vorteile.

    Doch wie kommt man einen Schritt weiter, denn wirkungslos ist natürlich blöd. Ich denke nicht das es ein Patentrezept gibt, aber mir hhelfen folgende Überlegungen:
    1. Es gibt Wahrheiten, die man nicht leugnen kann: Menschen leiden, verhungern, werden eingesperrt und ermordet. Hier nicht Stellung zu beziehen wäre philosophische Traumtänzerei.
    2. Menschen die etwas bewegt haben und bewegen, haben Ziele, Meinungen und Überzeugungen. Nur wer nichts beitragen möchte, kann sich den Luxus erlauben, sich nicht festzulegen.
    3. In jedem Menschen steckt der Wunsch nach einem rotem Faden, einer Geschichte die alles zusammen hält. In der auch das eigene begrenzte Leben einen Beitrag leistet. Für das sich Hingabe lohnt.

    Es gibt also genug „Wahrheiten“ über die sich reden lässt. Die Herausforderung ist eher, dass ich andere für Sie gewinnen muss statt sie Ihnen aufzuzwingen. Zum Thema, was dass z.B. für den christlichen Glauben bedeuten kann, finde ich David Schmelzer sehr nachdenkenswert: http://siyach.wordpress.com/2009/02/01/video-uber-centered-set/.

    Viele Grüße, Dirk


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